Dr. Goldner & Dr. Seufzer

Kinderärztliche Gemeinschaftspraxis

Grünstadt

Neurodermitis im Kindesalter

Viele Begriffe und eine Erkrankung:

Neurodermitis = atopisches Ekzem = atopische Dermatitis = endogenes Ekzem

Eine einheitliche Ursache hat die Medizin bis heute nicht gefunden. Das Wort Atopie kommt aus dem Griechischen („Ungewöhnlichkeit, Seltsamkeit“) und bezeichnet die vererbte Anlage, überempfindlich zu reagieren und zur Ausbildung von Allergien zu neigen.

Ca. 2/3 der Kinder mit Neurodermitis kommen aus Familien, die mit Atopien, d.h. Heuschnupfen, allergischem Asthma, Neurodermitis behaftet sind. Das Risiko eine allergische Erkrankung zu bekommen wird also wesentlich durch das Erbgut, d.h. die Familie vorgegeben.

Risiko für eine allergische Erkrankung

5 - 15 %

Normales Risiko

25 - 35 %

Risiko bei einem allergischen Geschwisterkind

20 - 40 %

Risiko bei einem allergischen Elternteil

40 - 60 %

Risiko bei Allergie beider Kinder

50 - 70 %

Risiko, bei denselben allergischen Symptomen beider Eltern


Allergieteste können auch bei Säuglingen durchgeführt werden, z.B. mit dem atopy-patch-Test.

Wir machen das auch in unserer Praxis. Es lohnt sich, denn wenn man den Auslöser einer Erkrankung kennt, ist die Behandlung leichter.



Nutzen Sie die Möglichkeit einer Neurodermitisschulung!

Angebote über unsere Praxis,

bzw. homepage http://www.asthmaschulung-neurodermitisschulung-pfalz-vorderpfalz.de



Dr. Seufzer ist

nach den Richtlinien der AG Asthmaschulung bzw.

der Richtlinien der AG Neurodermitisschulung

anerkannter, qualifizierter Asthma-Trainer und Neurodermitis-Trainer





Etwa 60 - 70% der Patienten erkranken im ersten Lebensjahr, selten innerhalb der ersten 4-6 Lebenswochen. Die Lokalisation der Ekzeme ist kleinen Kindern anders als bei Älteren und Erwachsenen. Sind im Erwachsenenalter typische Ekzemstellen in den Ellenbeugen und Kniekehlen, so haben Säuglinge und Kleinkinder die Neurodermitis oft im Wangenbereich, am Hals, den Hand- und Fußgelenken oder den Streckseiten der Arme und Beine. Die Bandbreite der Hauterscheinungen ist groß: es gibt Kinder, die schwere Hauterscheinungen und einen quälenden Juckreiz haben, der sie am Schlaf hindert und in allen täglichen Beschäftigungen, z.B. beim Spielen, stört - und es gibt Kinder, die nur geringe Hautsymptome zeigen, trockene Hautstellen, kleine Pickelchen und die keine oder kaum in ihrem Wohlbefinden beeinträchtigt sind.

Das ist uns ganz Wichtig: ein Kind mit einem Ekzem, das tags und nachts juckt, das Kind nicht Schlafen lässt, es beim Spielen, Essen und allen Aktivitäten stört, das unter seiner Erkrankung stark leidet muss anders behandelt werden als ein Kind mit ein paar Pickelchen oder einigen trockenen Hautstellen, von denen es nichts merkt, was putzmunter ist und keine Beeinträchtigung des Wohlbefindens zeigt. Nicht jeder Pickel, nicht jede trockene Hautstelle ist auch eine Neurodermitis!

Den Verlauf einer Neurodermitis vorherzusagen ist schwer. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit einer Besserung oder Ausheilung der Neurodermitis bei Kindern, bei denen die Erkrankung in der Säuglingszeit auftritt sehr hoch.

Kinder, die bereits im frühen Lebensalter unter Allergien leiden, haben jedoch ein erhöhtes Risiko andere allergische Erkrankungen, wie z.B. ein allergisches Asthma bronchiale oder einen Heuschnupfen zu entwickeln. Die häufigsten Allergien bei Säuglingen / Kleinkindern sind im Bereich der Nahrungsmittel: Ei, Milch, Nüsse, Sojabohne, Fisch, Weizenmehl. Das Allergiespektrum älterer Kinder verschiebt sich hin zu Hausstaubmilben, Tierhaaren, Pollen, Schimmelpilzen.


Viele Faktoren beeinflussen unseren Hautzustand, so auch den des an Neurodermitis erkrankten Kindes. Das Neurodermitis-erkrankte Kind reagiert aber empfindlicher auf solche „trigger“, deshalb sollte man versuchen, weitestgehendst ein hautberuhigendes Milieu zu schaffen.
Vorbeugung beginnt im Säuglingsalter: wenn möglich ausschließliches Stillen 4-6 Monate lang, keine Haustiere, eine hausstaubmilbenarme Umgebung, kein Rauchen.

Langsames Zufüttern und Meiden von „hochpotenten“ Allergenen innerhalb der ersten ein bis zwei Lebensjahre.

So individuell unterschiedlich die Hauterscheinungen sind, so individuell muss auch die Therapie sein.

Es gibt nicht „die“ Therapie, die allen Kindern gleich gut hilft. Allgemeine Maßnahmen: direkt auf der Haut am Besten 100% Baumwolle tragen, keine Wolle, kein Synthetikgewebe. Leichte, glatte Stoffe bevorzugen. Raue Nähte und Schilder vermeiden. Luftige, weite Kleidung anziehen. Waschpulver sparsam verwenden und gut ausspülen. Über den Gebrauch von Weichspülern ist man unterschiedlicher Auffassung. Neue Kleidung vor dem ersten Tragen waschen. Bei starkem nächtlichen Juckreiz kann ein spezieller Neurodermitis-Overall helfen. Zum Baden pH-neutrale Substanzen verwenden. Besser Duschen als Baden. Durch tägliches Duschen/Baden werden Salbenreste, Schweiß, Schmutz und Keime entfernt. Lieber kurz als lang und eher kühl als zu warm. Beim Abtrocknen nur abtupfen, danach eincremen.

Badezusätze: Ölbäder wirken rückfettend, erst am Ende des Badens dem Wasser zufügen oder pur auf die Haut nach dem Baden/Duschen; Kaliumpermanganat wirkt desinfizierend; Salzbäder wirken gerbend, sind nichts bei offener entzündeter Haut und nichts für Säuglinge.

Hautpflegemittel müssen nach der aktuellen Hautsituation ausgewählt werden: Salben führen viel Fett zu, Cremes Feuchtigkeit und Fett und wässrige Lösungen wirken austrocknend, kühlend und juckreizlindernd. Lotionen oder Schüttelmixturen kühlen, sind gering austrocknend, kaum fettend. Cresa sind Mischungen aus Cremes und Salben. Den o.g. Pflegemitteln können verschiedene Substanzen (Harnstoff, Desinifizientien, Antibiotika, Kortison, u.a.) zugesetzt werden. Neben einer lokalen Hauttherapie kann es notwendig sein andere

Medikamente einzusetzen, z.B. Antibiotika bei Infektionen der Haut, Medikamente, die gegen Allergien helfen oder gegen starken Juckreiz. Manchmal bleibt die Therapie unbefriedigend oder die Eltern sind über die Therapie enttäuscht, wenn der nächste Neurodermitis-Schub kommt.

Zahlreiche alternative oder unkonventionelle Heilmethoden versprechen den Patienten Hilfe.

Wir möchten hier keine Bewertung alternativer Heilverfahren vornehmen, empfehlen interessierten Eltern aber das sehr informative Buch der Stiftung Warentest (Handbuch: „Die andere Medizin“. Nutzen und Risiken sanfter Heilmethoden, Hrsg. Stiftung Warentest) in dem eine Vielzahl alternativer Therapien vorgestellt wird, was sich dahinter verbirgt und welchen Nutzen oder Risiko Sie erwarten können.

Weitere Büchervorschläge:

Das allergische Kind. Wie Eltern helfen können

B.Niggemann, U. Wahn

Trias Verlag

Das juckt uns nicht!

R. Szczepanski

Trias Verlag

Neurodermitis, Ratgeber zur Vorbeugung, Behandlung und Hautpflege

R.K. Achenbach

Trias Verlag

Neurodermitis-Kinder. Den Alltag meistern

C. Mohr

rororo Verlag

Mein Kind hat Neurodermitis

M. Weber

Falken Verlag

Unser Kind hat Neurodermitis

E. Niemann-Delius

Südwest Verlag

Zum Thema Neurodermitis gibt es natürlich zahlreiche weitere Literatur!


Nützliche Adressen:

Arbeitsgemeinschaft allergiekrankes Kind

Nassaustraße 32

35745 Herborn

02772-928730

Bundesverb. Neurodermitiskranker. i. Deutschl.

Oberstraße 171

56154 Boppard/Rh.

06742-8713-0

Deutscher Neurodermitiker Bund

Spaldingstr. 210

20097 Hamburg

040-230810

Deutscher Allergie- und Asthmabund

Hindenburgstr. 110

41061 Mönchengladbach

02161-10207

Forschungsinstitut für Kinderernährung

Heinstück 11

44225 Dortmund

0231-714021



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