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Dr. Goldner & Dr. Seufzer |
Kinderärztliche Gemeinschaftspraxis |
Grünstadt |
Wer kennt nicht den „Zappelphilipp“ des Frankfurter Arztes Hoffmann, der ein Kind mit ADS bereits im 19. Jahrhundert beschrieb?!
Viele Begriffe gibt es mittlerweile und alle reden von demselben:
Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, Hyperaktivität, hyperaktive Verhaltensstörung usw.
Die Hyperkinetische Störung ist durch drei Symptome gekennzeichnet: ausgeprägte
motorische Unruhe (Hyperaktivität),
Konzentrationsstörung (Unaufmerksamkeit) und
Probleme in der Steuerung und Planung des eigenen Verhaltens (Impulsivität).
Die Störung tritt in unterschiedlichen Situationen auf, z.B. der Familie, der Schule, beim Spielen mit an-deren Kindern und definitionsgemäß tritt sie bereits im Kindergartenalter auf.
Das ADS tritt bei Jungen ca. 3-9 mal häufiger auf als bei Mädchen. Auch müssen nicht alle drei Symptome gleich stark im Vordergrund stehen. Es gibt Kinder, bei denen fällt in erster Linie die Unauf-merksamkeit auf, bei anderen mehr die Impulsivität. Etwa 3-10% aller Jungen im Schulalter leiden unter einem ADS. Nicht selten sind Kinder mit ADS hochbegabt. Oftmals klaffen die (Schul-)Leistungen und das, was möglich wäre, weit auseinander. Diese Diskrepanz kann natürlich zu weiteren Problemen führen: Schulangst, Depressionen, psychosomatische Beschwerden.
Hyperaktivität (motorische Unruhe)
zappelt häufig mit Händen
und Füßen, rutscht auf dem Stuhl herum
steht häufig in der Klasse oder
anderen Situationen auf, in denen Sitzenbleiben erwartet wird
hat einen unangemessenen
Bewegungsdrang
klettert auf Bäume, Mauern etc.
ohne die damit verbundenen Gefahren zu beachten
hat generell Schwierigkeiten ruhig zu
Spielen oder sich ruhig zu beschäftigen
ist immer auf Achse, wirkt wie
getrieben
zeigt ein anhaltendes Muster
exzessiver motorischer Aktivität, das durch Bezugspersonen
unbeeinflußbar imponiert
Unaufmerksamkeit
beachtet Einzelheiten nicht, macht
Flüchtigkeitsfehler bei Schulaufgaben oder anderen Tätigkeiten
hat grundsätzlich
Schwierigkeiten, über längere Zeit bei Aufgaben oder
Spielen konzentriert zu bleiben
scheint häufig nicht zuzuhören,
auch bei direkter Ansprache
Anweisungen werden nicht vollständig
ausgeführt; Schularbeiten oder andere Pflichten werden nicht zu
Ende gebracht
hat häufig Schwierigkeiten
Aufgaben zu organisieren
Aufgaben, die Konzentrationsleistung
erfordern, werden vermieden oder nur unwillig erledigt
verliert oder vergisst häufig
Gegenstände (Stifte, Bücher, Schulmäppchen,
Spielsachen)
lässt sich leicht durch äußere
Reize ablenken
vergisst Pflichten
platzt häufig mit Antworten
heraus, bevor die Frage zu Ende gestellt wurde
unterbricht oder stört andere,
mischt sich in Gespräche ein
kann nur schwer abwarten, bis er/sie
an der Reihe ist
redet zu viel, ohne auf entsprechende
Hinweise zu achten
Das Hauptproblem des Patienten mit ADS scheint in einer fehlerhaften „Hemmung“ in Bereichen des zentralen Nervensystems zu liegen. Eingehende Informationen über z.B. die Augen oder die Ohren gelangen alle ungefiltert in bestimmte Bereiche des Nervensystems; der Patient mit ADS kann also sozusagen „zu viele Informationen aufnehmen“, er kann nicht das Wesentliche vom Unwesentlichen trennen. Er kann sich auf alles konzentrieren, aber nicht auf das aktuell Wesentliche. Neuere medizinische Untersuchungen ergaben, dass es sich bei Patienten mit ADS um Störungen im Bereich bestimmter neurochemischer Funktionen handelt, z.B. im Bereich des dopaminergen Systems. Wahrscheinlich handelt es sich beim ADS um eine Art „Stoffwechselstörung“, ähnlich dem Diabetes mellitus, wo dem Gehirn bestimmte „Botenstoffe“ in nicht ausreichender Menge/Qualität angeboten werden. Eine genetische Komponente wird vermutet: das ADS tritt familiär gehäuft auf und das männliche Geschlecht ist häufiger betroffen.
Die Diagnose des ADS stützt sich wesentlich auf die Anamnese, d.h. Das Erfragen der Symptome, die der Patient zeigt. Es gibt keine Bluttests oder andere „apparative“ Diagnostikmöglichkeiten. In die Anamnese einbezogen werden sollten neben den Eltern auch die Erzieherinnen bzw. Lehrer. Zur Diagnosestellung ist es wichtig, andere Krankheitsbilder auszuschließen, wie z.B. Teilleistungsstörungen (z.B. Lese-Rechtschreib-Störung, Seh- oder Hörstörungen), Anfallsleiden, Erkrankungen der Schilddrüse, um nur einige zu nennen. Die Diagnostik ist umfangreich und es geht nicht „von einem Tag auf den anderen“. Das ist für die Eltern oft sehr belastend, da häufig bereits viele Probleme bestehen, wenn sie den Arzt aufsuchen.
Therapeutische Möglichkeiten
Die Therapie sollte sich an den Möglichkeiten des Patienten orientieren und nicht an seinen Defiziten. Neben allen Problemen ist es elementar die positiven Seiten der Kinder zu betrachten und zu fördern. Die Therapie wird nicht nur die Kinder betreffen, sondern sollte das Umfeld, sprich: die Familie, die Lehrer/innen oder Erzieher/innen einbeziehen.
Es gibt vielfältige Therapieangebote und Selbsthilfegruppen und Ihr Kinderarzt wird Sie hier beraten.
Zum Thema der therapeutischen Möglichkeiten gehört natürlich auch die medikamentöse Therapie mit so genannten
Psychostimulantien wie Methylphenidat (Equasym ®, Medikinet ®, Ritalin ®).